Es gibt Filme, die werden dem Buch, welches als Vorlage diente durchaus gerecht. Ich stand nie auf der Seite der Leute, die immer sagten: „Ich habe das Buch gelesen, den Film schaue ich mir nicht an, der kann ja nix sein.“ – Eigentlich stand ich immer allen Versuchen eines Films nach einem Buch recht positiv gegenüber. Denn ich habe mir immer gedacht; wer ein Buch verfilmt, der verfilmt es einfach, weil es ihm am Herzen liegt und er das beste daraus machen will. Es gibt auch durchaus Bücher, bei denen ich den Film sogar besser finde. Zum Beispiel „Herr der Ringe“ – denn – Schande über mein Haupt- „Herr der Ringe“ ist einfach mal ein Koch- und Gesangsbuch für Elben und Hobbits mit soo langatmigen Szenen, dass man denkt, man ist in der Ewigkeit gefangen. Der Film hingegen ist doch ein echter Knaller…! Dann gibt es auch noch Filme, bei denen ich sagen würde, dass sie sehr gut gemacht sind, dem Buch gerecht werden, wenn sie auch nicht alles beinhalten, was das Buch beinhaltet.Das liegt aber in der Natur der Sache, denn das geht ja einfach nicht. Buch ist Buch. Film ist Film (man könnte also sagen; Buch und Film vergleichen ist wie Äpfel mit Birnen,na ihr wisst schon!) Der Film kann nicht alle subtilen Andeutungen eines Buches enthalten, er kann die Charaktere nicht in der Weise zeichnen, wie der Autor des Buches, er kann keine ironischen Untertöne außerhalb der Dialoge wiedergeben. Dafür liefert er uns anderes Material und kann durch Bilder,Musik,Stimmen eine Geschichte zeichnen. Jawohl. Und es gibt Filme, von denen ich Buch und Film kenne und denke, dass die Filme wirklich gelungen sind, auch wenn sie das Buch nicht übertreffen können. Also zum Beispiel „Drachenläufer“ war ein wirklich guter Film. Das Buch ist toll, aber der Film hat mich nicht enttäuscht. Ebenso war es eigentlich bei vielen anderen Filmen. Mein Klassiker „Betty und ihre Schwestern“ nach dem Klassiker „Little Women“ von Luisa May Alcott zum Beispiel ist (für mich sentimentale Seele) ein wundervoller Film. Ein weiteres tolles Buch, welches meines Erachtens nach gelungen verfilmt wurde: Arthur Millers „Hexenjagd“. Erst kürzlich gesehen und für gut befunden; „Sinn und Sinnlichkeit“, im Original von Jane Austen. Auch gut: „Alles ist erleuchtet“ (ursprünglich von Jonathan Safran Foer), Patrick Süßkinds „Das Parfüm“, „Jakob der Lügner“ (von Jurek Becker), „Schnee der auf Zedern fällt“ (von David Guterson) und „Blueprint“ (als Buch von Charlotte Kerner). Und da fallen mir dann noch so Kracher ein, wie „Bridget Jones“, bei denen ich das Buch sogar mies fand und den Film dann aber echt unterhaltsam.
Gut, genug, man kann sich nun fragen, warum ich die ganze Zeit rumschwadroniere,aber man muss mir verzeihen,denn es liegt einfach daran, dass ich so schwer enttäuscht wurde. Denn ich habe die neue Verfilmung von Heinrich Breloer von „Die Buddenbrooks“ gesehen und befürchte, der gute Thomas Mann würde sich im Grabe umdrehen, wenn er gesehen hätte, was uns Doku-Drama-König diesmal zu Wege gebracht hat. Ich war guter Dinge; ich liebe „Die Buddenbrooks“ – das ist ein Buch, dass mir am Herzen liegt, das ich mindestens einmal pro Jahr lesen muss und in dem ich mich zu Hause fühle, in Mitten dieser, dem Untergang geweihten Familie. Jedesmal, wenn ich das Buch zur Seite lege, fühle ich mich ein Stück weit einsam, weil sie weg sind, die Buddenbrooks. Als Fan habe ich mir auch die beiden anderen existierenden Verfilmungen angesehen, es gibt ein Produktion von 1959 (ein Zweiteiler) und eine von 1978, die 3 Videokassetten umfasst. Beide Verfilmungen entsprechen wirklich meinem Geschmack. Ich kann damit leben, das Dinge leicht abgeändert oder ausgelassen wurden und beide Versuche, das Meisterwerk von Thomas Mann auf die Leinwand zu bringen (oder in die Glotzkiste), sind für mich gelungen, denn wie gesagt; Film ist Film. Buch ist Buch. Die neuere Verfilmung finde ich sogar extrem gut gemacht, denn einschlägige Charaktere wie die Leiterin von Tonys Mädchenpensionat, Sesemi Weichbrodt, sowie Tonys erster Ehemann, Bendix Grünlich, werden genau so wie der Lotsenkommandeur Schwarzkopf und sein Sohn Morten richtig schön dargestellt, nahe meiner Vorstellung und immer mit dem Charme ihrer Herkunft verbunden; regionale sprachliche Unterschiede machen das ganze einfach sehr sympathisch und es hüpft mir das Herz, wenn Morten als „Dummerjan“ beschimpft wird, Grünlich seine Ansprüche geltend machen will und Sesemi Tony immer wieder wünscht: „Werde glöcklich, du gutes Kind!“ – ja, herrlich, so sollte es sein.
Und was passiert nun? Ich gehe voller Vorfreude in diesen Kinofilm. Mit einem Schauspieler, den ich toll finde; Armin Müller-Stahl. Hat ja schon so schön den Thomas Mann persönlich in „Die Manns“ gespielt. Eigentlich denke ich; logische Schlussfolgerung, dass er nun einen exellenten Johann Buddenbrook abgibt. Und von Breloer erwarte ich eigentlich auch einiges. Eben „Die Manns“ haben mich überzeugt, dass er gute Filme macht, oder auch „Speer und Er“. Und dann sowas! Armin Müller-Stahl ist einfach zu alt für Johann Buddenbrook – er hätte überzeugender den Schwiegervater Lebrecht Kröger spielen können, welcher ja verstribt. Seine Beerdigung wird in dem Film auch tatsächlich dargestellt, allerdings taucht Kröger vorher kein einziges Mal auf. Für jeden, der das Buch nicht kennt, sollte das einigermaßen unpassend und verwirrend sein und man fragt sich – wieso wird so eine Szene, die im Verlauf des Filmes ja als völlig überflüssig erscheint, gezeigt, während hingegen andere Szenen im Schweinsgalopp abgefrühstückt werden? So wird Tonys Ausflug nach Travemünde zu den Schwarzkopfs eine Schmierenkomödie à la „Verbotene Liebe“ – völlig übertrieben und einzig mit Morten und Tony im Mittelpunkt, obwohl ich finde, dass gerade die einfachen Schwarzkopfs mit ihrer Gastfreundlichkeit und übertriebenen Untergebenheit der Kaufmannstochter gegenüber den Reiz dieser Geschichte ausmachen, ebenso wie Grünlichs Auftritt vor dem blamierten Schwarzkopf. Es bleibt aber nur ein kitschiger Abschied bei Regen, Morten rennt theatralisch der Kutsche hinterher – Rosamunde Pilcher wäre stolz auf Breloer! Es kommen weitere überflüssige Szenen hinzu, die erfundene „knisternde“ Beziehung und der Tanz zwischen Tony und Herman Hagenström beispielsweise, den Tony im Original einfach nur hasst. Dafür bleiben drei Familienmitglieder völlig auf der Strecke; Clara, die jüngste Buddenbrooks-Tochter und Tonys Tochter Erika sowie Gotthold Buddenbrook, Sohn aus erster Ehe. Auch die Charaktere der Kinderfrau Ida Jungmanns (die zwar dargestellt aber nicht weiter erklärt wird) und der der entfernten Verwandten Clodthilde „Thilda“ werden ziemlich ausgespart. Vielleicht, um öfter Iris Berben ins Bild zu bringen, die in dem ganzen Film nur einen dussligen Gesichtsausdruck hinbekommt und einfach besser weiter mit ihrer Mutter telefonieren und ihr von ihrer Haarfärbung erzählen sollte. Und obwohl ich finde, dass soo soo viel fehlt in dem Film, schafft er es mit seiner Überlänge hinterher auch noch stinklangweilig zu werden. Tja. Griff ins Klo, sag ich mal. Und ich bin böse. Wie kann man denn „Die Buddenbrooks“ verfilmen, ohne meine Lieblingszitat: „Das putzt ganz ungemein…“?! Und wie kann man die schöne Metapher zwischen Morten und Tony auslassen, dieses „auf den Steinen sitzen“…kurz, wie kann man so schlampig dieses Buch verfilmen, Herr Breloer? Und wie kann man die ätherische Schönheit Gerda mit den schönen,dunklen Augen, den dunklen Haaren und dem melancholisch schweren Wesen als eine fröhliche, rothaarige Holländerin darstellen, die überhaupt nicht schwermütig wirkt? Und wieso ist die blonde Tony dunkelhaarig? Und wo ist ihr Stolz,ihre Naivität? Jessica Schwarz ist ja an sich keine schlechter Schauspielerin, aber als Tony wirkt sie so fehl am Platz und im stürmischen Travemünde meist auch zu wenig bekleidet, zu offenherzig. Tony ist Stolz, ist voller Klassendünkel, eine Prinzessin, aber nicht kess.
Herr Breloer ist also in meiner Achtung gefallen. Das wird ihn nicht weiter schmerzen. Ich aber weiß nun, dass Buchverfilmungen doch verdammt in die Hose gehen können! Ich hätte das besser gemacht! Echt! Es ist nur ärgerlich, dass Herr Breloer bei so einer Vorlage so einen Mist abliefert, denn er hätte ja so viel mehr daraus machen können! Und ja; auch wenn das Buch natürlich so viel umfasst, es ist ja möglich, einen schönen Film draus zu machen; wie bereits erwähnt gibt es die ja. Und wenn einer jetzt sagt;“ tja, dem Buch kann man mit einem Film wohl einfach nicht gerecht werden“, dann hat er vielleicht Recht. Aber dann soll man es einfach lassen. Und mich nicht so verärgern!!!
Übrigens bin ich nun schwer am Grübeln, ob ich das nächste Projekt dieser Gattung anschauen soll. Demnächst soll es nämlich „Effie Briest“ im Kino geben. Und ich mag das Buch, wirklich, richtig gern. Und auch hier hab ich Vertrauen in die Hauptdarstellerin. Die tolle Julia Jentsch. Aber…hach…ich weiß nicht, ob ich soll – denn Armin Müller-Stahl hat mich ja auch enttäuscht…
Um jetzt nicht der „Ich lese nur das Buch und bin gegen den Film“-Typ zu werden, werde ich demnächst noch mal ein paar Klassiker testen. So wurde mir ja versichert, dass „Dr. Schiwago“ als Film besser sein soll, als das Buch (ich kenne beide nicht). Und auch „Vom Winde verweht“ soll ja ein Burner sein. Den habe ich einmal gesehen, fand ihn damals aber schrecklich (vorallem, als das kleine Kind stirbt bei dem Unfall mit dem Pony – das ist das einzige,woran ich mich erinnere und ich glaube ich war einfach zu klein für den Film!). Mal sehen. Die Verfilmung von „Der Zauberberg“ werde ich aber auf keinen Fall anschauen. Die kann einfach nicht gut sein,…