Böse Frau

Veröffentlicht in daily stuff am 29. Januar 2010 von Anna

Bin ich mal wieder um eine negative Krankenhauserfahrung reicher!Das Krankenhaus an sich ist ja schon kein schöner Ort. Man kann dann aber auch noch Pech im Pech haben und mit einer ganz bösen Frau in einem Zimmer landen. Ja! Die Frau war wirklich böse. Schrecklich böse.Und dabei habe ich ihr gar nichts getan. Andererseits; vielleicht war sie auch böse auf mich, weil ich tatsächlich einen Grund hatte, im Krankenhaus zu sein, während sie grundlos da rum lag,weil ihr eigentlich nichts fehlte und sie sich von den Ärzten “abgeschoben fühlte”. Ja, ist schon komisch, jemanden um seine Krankheit zu beneiden oder auch um seine Schmerzen,die ich durchaus hatte. Aber da die böse Frau es sich anscheinend zum Ziel gesetzt hat,ihre Freizeit in Krankenhäusern zu verbringen, und man dort mit Schmerzen und Krankheiten natürlich viel leichter und wohlwollender aufgenommen wird,schien es bei ihr tatsächlich der Fall zu sein. DAS ist dann allerdings schon wieder krank. Also war sie ja irgendwie doch richtig. Jedenfalls hatte die böse Frau in ihrer Niere wohl einen Stein, der ihr aber keine Schmerzen und keine Probleme bereitete. Und jeder normale Arzt sagt dann; “wenn der Stein nicht stört,kann er da ruhig liegen bleiben” – ich selber habe in der rechten Niere ca. 4 Steine und finde keinen Grund,wieso ich mich damit jetzt ins Krankenhaus begeben sollte. Na ja, aber die böse Frau hatte sich nun mal in den Kopf gesetzt, dass dieser Stein zertrümmert werden muss. Warum auch immer. Aus Langeweile? Oder weil man zur Zertrümmerung immer ein paar Opiate bekommt? Abhängigkeit? Mh. Fragen über Fragen. Die böse Frau war jedenfalls einerseits sehr stolz auf ihren gesunden Körper; auf die Frage der Nachtschwester hin, ob jemand noch Schmerzmittel braucht (worauf ich “jaaaaaaaa” antwortete) sagte sie ganz cool “Sowas brauche ich nicht!” – uiii. Aber andererseits wurde einer Patientin ohne Symptome natürlich nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit geschenkt, so dass sie ihren Verwandten dann auch erzählte, wie schlecht behandelt und abgeschoben sie sich von den bösen Ärzten fühlte. Heute morgen (nach dem sie um halb sechs aufgestanden war, damit auch wirklich keiner länger schlafen kann) beschwerte sie sich bereits um 5 vor 8, dass sie immer noch nicht zur Untersuchung gekommen wäre und wann es den Herren Ärzten denn wohl mal genehm wäre. Ich hingegen fand es eigentlich eher beruhigend,dass Leute,die tatsächlich Schmerzen haben,dann doch eher dran kommen,als Leute mit Langeweile.
Immerhin habe ich mal wieder festgestellt, dass alte Menschen teilweise viel kindischer sein können, als junge.Als ich gestern Handball geguckt habe (und man mir wohl ansah,dass ich das unendlich spannend fand), fiel ihr dann um 17 Minuten vor 5 ein, dass sie unbedingt fernsehen wollte, was ich ihr vorher angeboten hatte wie Sauerbier; also,ob sie die Fernbedienung haben will usw. – nee…aber gegen 17 vor 5 fiel es ihr da ein. Bekanntermaßen ist 16:43 Uhr auch die absolute Prime-Time und Sendebeginn der meisten wirklich tollen Filme oder Sendungen.Trotzdem hätte ich ja etwas Rücksicht erwartet,wegen des Handballspiels.

Na ja,immerhin bin ich die böse Frau los.Die Schmerzen zwar nicht,aber da kann man wenigstens was gegen nehmen.Gegen böse Frauen nicht.Im Nachhinein denke ich irgendwie,dass einem solche Menschen ja nur leid tun können.Aber in der Situation reicht mein Verständnis für sowas meistens nicht aus.Vorallem nicht,wenn einem eine solche Unfreundlichkeit und Feindlichkeit entgegen gebracht wird, so freundlich man selber auch sein mag.

Hab ich eine Laune…

Veröffentlicht in Seelenmüll am 25. Januar 2010 von Anna

Mir ist kalt,ich bin müde und habe wieder ständig irgendwo Schmerzen,sei es die Nieren,der Magen,Gelenke,…und das nervt!Irgendwann ist ja auch mal gut,sollte man meinen.Ja…sollte man.Aber ich habe halt mal zwischen den ganzen miesen Tagen zwei,drei bessere und dann war es das wieder. Und dann bin ich so wie jetzt; schlecht gelaunt,traurig,lustlos und würde mich am liebsten den ganzen Tag nur im Bett vergraben. Dass ich -bis auf die Physiotherapie und diverse Arztbesuche momentan auch keinerlei Pflichten oder feste Termine habe,macht die Sache nicht besser.Allerdings ist mir auch klar,dass ich fürs Studieren oder Ähnliches überhaupt nicht fit genug bin. So jammere ich halt vor mich hin und harre der Dinge,die da kommen. Morgen kommt; erneut Krankenhaus. Meine Schiene im Harnleiter wird raus genommen. Also wieder pampiges Krankenhauspersonal, dem man erst mal erklären muss, was für Medikamente man braucht.Mein letzter Aufenthalt im Klinikum war ja auch teilweise wieder grenzwertig. Obwohl meine Medikamente lebensnotwendig sind,habe ich die falschen bekommen.Gut,dass ich inzwischen echt total aufpasse!Schlecht,dass die verantwortliche Nachtschwester meinen Beschwerden keinen Glauben schenken wollte und ich mir dann tatsächlich von zu Hause die passenden Medikamente mitbringen lassen musste.Pff…verrückt.

Übrigens; es ist auch nicht immer vom Vorteil, Privatpatientin zu sein.Jedenfalls muss man meistens viel länger auf “den Chef” warten,als auf den “normalen” Arzt.Letztes Mal auch wieder passiert; meine Niere kurz vorm Platzen und ich voller Schmerzen,der Assistenzarzt sagt aber zu mir; “das macht der Chef persönlich und der ist gerade im OP,das kann noch ein paar Stunden dauern…” -schluck! Als es dann unerträglich war,habe ich dem Assistenzarzt zu verstehen gegeben ist,dass es mir wirklich völlig schnuppe ist,wer mir verdammt noch mal diese dusslige Harnleiterschiene brutalst möglicher Weise da reinrammt, so lange es nicht die Putzfrau macht. Nach telefonischer Absprache mit dem Chef (und hierbei frage ich mich; telefoniert er im OP?) war das dann auch möglich. Herrlich.Allerdings glaub ich im Nachhinein,dass auch die Putzfrau das nicht schmerzhafter hinbekommen hätte.

Egal.Meine Einträge sind momentan nicht gerade voller Elan und Witz und selten uninteressant,wie ich gerade feststelle.Wollte eigentlich auch nur ein bisschen Jammern und anmerken,dass ich dann jetzt erst mal wieder in Sachen Niere im Krankenhaus bin.Freude!

Trost

Veröffentlicht in Uncategorized am 15. Januar 2010 von Anna

Tröste dich, die Stunden eilen,
Und was all dich drücken mag,
Auch die schlimmste kann nicht weilen,
Und es kommt ein andrer Tag.

In dem ew’gen Kommen, Schwinden,
Wie der Schmerz liegt auch das Glück,
Und auch heitre Bilder finden
Ihren Weg zu dir zurück.

Harre, hoffe. Nicht vergebens
zählest du der Stunden Schlag:
Wechsel ist das Los des Lebens,
Und – es kommt ein andrer Tag.

(Theodor Fontane)

Dickes Fell? Ham wa nicht, kriegen wir auch nicht wieder rein!

Veröffentlicht in Seelenmüll am 9. Januar 2010 von Anna

Einen Vorwurf,den ich mir immer wieder anhören muss ist der, dass ich empfindlich bin. Ich kann das nicht zurück weisen.Nochmal zum Mitschreiben: Ja,ich bin empfindlich. Ich bin vielleicht sogar sehr empfindlich. Und ich habe keine Lust mehr,das vorgeworfen zu bekommen. Es ist eine Eigenschaft,die ich habe und die ich vrmutlich auch nicht mehr los werde, so sehr ich mich auch anstrenge. Klar, Charakterbildung ist bestimmt eine wichtige Sache,aber erstens ist das im Kindesalter vermutlich einfacher und zweitens gibt es doch wohl auch solche Eigenschaften, die dem Menschen einfach gegeben sind und die nichts mit der Erziehung an sich zu tun haben. Ich bin kein 68er. Ich glaube schon, dass Menschen nicht nur durch ihre Umwelt und ihre Erziehung zu dem werden, was sind sind. Und ich bin nun mal empfindlich. Und andere sind vielleicht lebhaft. Und wieder andere schüchtern. Und es gibt welche, die sind humorvoll oder ernst. Oder vielleicht phlegmatisch. Und ich, ja,wie bereits gesagt, ich bin empfindlich. Und es kann mir noch so oft gesagt werden: “Sei doch nicht so empfindlich” – ich werde es nicht ändern können. Als ich in der Schule gehänselt wurde, wurde mir immer gesagt, dass ich da drüber stehen muss. Bildlich sah ich mich dann immer unter der Decke schweben und von oben auf die anderen herab sehen. Das hat nie was gebracht. Denn meine “dünne Haut” hatte ich da oben immer noch und jedes einzelne Wort damals hat mich gepeinigt.Ich konnte das nicht ausblenden. Und auch das wird meine Empfindlichkeit vermutlich noch verstärkt haben. Dickes Fell kann man nicht bei Ebay ersteigern oder bei Otto bestellen. Man wird es sich auch nicht wachsen lassen  können, selbst wenn man darauf verzichtet,sich die Beine zu rasieren. Entweder man hat es, oder man hat es nicht. Außerdem; was heißt denn empfindlich? Klar, zunächst einmal erscheint das unangenehm; ich nehme mir Sachen mehr zu Herzen, ich bin schneller gekränkt als andere und reagiere empfindlich auf viele Dinge,die die dicken-Fell-Leute vermutlich als liebgemeintes Necken oder als freundliche Anfrage verstehen würden. Andererseits bin ich aber meinem Gefühl nach auch empfindlicher für das, was andere Menschen fühlen. Durch meine dünne Haut bekomme ich oftmals auch Informationen von meinem Gegenüber, die andere vielleicht erst später registrieren. Ich durchschaue Gruppenkonstellationen. Ich merke meistens schnell, wer wen mag und weg wen nicht mag, wer gerade Streit hat oder wer gerade in wen verliebt ist. Klingt das eingebildet, sich solche Orakel-Fähigkeiten zuzuschreiben? Vermutlich schon. Aber ich wollte halt meiner Empfindlichkeit auch mal was Besseres abgewinnen als nur den ewigen Mimosen-Stempel. Und ich habe tatsächlich das Gefühl, dass ich relativ schnell aufnehme, wie andere Menschen gerade fühlen.Es ist jedenfalls schade,dass ich nicht zur Zeit der Romantik geboren wurde.Da hätte ich mit meiner Empfindsamkeit ja total im Trend gelegen.

Natürlich wäre es mir auch lieber, wenn ich das dicke Fell hätte. Dann könnte ich auch durch die Gegend hüpfen im Biene Maja- Kostüm, weil es mir total egal wäre, was andere dazu sagen. Geht aber nicht. Außerdem würde ich dann nicht immer wieder den Vorwurf gemacht bekommen,dass ich empfindlich bin. Wäre ich zum Beispiel auffallend lebhaft, da würde doch keiner zu mir sagen: “Mensch Anna, nun sei aber mal nicht so lebhaft!” – schließlich sind wir nicht in einem Jane Austen Roman und ich muss nicht mit irgendeinem Lord verheiratet werden. Lebhaft ist okay.Bin ich aber nicht. Genau so wenig wie ich blond bin. Oder nachtragend. Oder geizig. Dafür halt – unter anderem – empfindlich. Und das lasse ich mir jetzt nicht mehr vorwerfen. Jeder, der mich besser kennt, weiß das inzwischen und entweder, er akzeptiert das, oder er sucht sich unkompliziertere Freunde mit einem total dicken Fell.Nen Bären zum Beispiel.Oder einen Wolf.Oder ein Yak.

Heute begrüßen wir: 2010

Veröffentlicht in daily stuff am 1. Januar 2010 von Anna

So.Hier,neues Jahr und alles.Eigentlich sollte ich keine Blogeinträge mehr über das Jahresende,die Erwartungen an ein neues Jahr oder Jahresrückblicke schreiben, denn beim Durchsehen meines Blogs habe ich festgestellt, dass das immer ziemlich deprimierend ausfiel; 2008 hieß der Post “Am Ende“, 2007 hieß er “2007 du Hure!!!” und 2006 habe ich geschrieben “Und jetzt ist es da,das neue Jahr und ich finde,dass es nur besser werden kann als letztes Jahr.Ich habe sogar gute Vorsätze gefasst.Und Hauptsache,ich kriege nicht wieder irgendwelche beschissenen Krankheiten…” – wie man sieht, ich habe mich jedes Jahr geirrt, denn natürlich  bin ich nicht gesünder geworden und klar war 2007 eine Hure, es wurde aber mit Nichten 2008 besser und dass ich 2008 schon am Ende war will ich bezweifeln, wenn ich sehe,was danach noch alles passiert ist…

Also gehe ich mal ohne Resumé, ohne Erwartungen und ohne irgendwelche Vorsätze ins Jahr 2010 und will einfach nur hoffen,dass ich da lebend wieder raus komme. Ja, richtig, mit der Zeit schrumpfen auch einfach die Ansprüche…!

Trotz allem wünsche ich allen,die ab und an meinen Blog hier verfolgen ein wunderschönes und besonders gesundes neues Jahr.

Stay tuned!

Ein Abschied

Veröffentlicht in Seelenmüll, Tierisch am 11. Dezember 2009 von Anna

Manchmal passieren Dinge so schnell, dass sie einem, wenn man sie im Nachhinein betrachtet,so unwirklich vorkommen,dass man glauben möchte,sie wären nur ein schlimmer Traum gewesen. So geschehen gestern. Gestern ist unser lieber,treuer und bester Hund Balu gestorben. Für alle,die selber keine Tiere haben/hatten und eine enge Bindung mit einem Tier nicht nachvollziehen können,ihr braucht nicht weiter lesen.Nur alle anderen können verstehen, was das bedeutet für jemanden,sein Tier zu verlieren und wie viel man auch für ein Tier empfinden kann.

Balu    *10.Januar 2000    †10.Dezember 2009

Balu war wirklich ein Familienmitglied und wir haben viel Zeit mit ihm verbracht. Er war ein lieber und verschmuster Hund.Er hat gerne gespielt, er liebte Bälle,Stöckchen und er liebte uns,so sehr ein Hund eben einen Menschen lieben kann. Er war der niedlichste Welpe,den wir je hatten.Als er älter wurde, war er der beste Wachhund und ein Meister darin, lange Stöcke,Äste, schon halbe Bäume mit sich durch die Gegend zu schleppen.Der Gedanke, dass er mir nie wieder schwanzwedelnd entgegen springen wird,nie wieder fordernd bellen wird,wenn man ihm seinen Ball werfen soll und nie wieder vor einem sitzen und sich genüsslich die Brust bürsten lassen wird, macht mich so unsagbar traurig. Als wir Balu bekamen,war ich gerade 15 und seit dem hat er mich begleitet. Meine Teenager-Zeit war nicht die aufregende und fröhliche Jugend,die andere vielleicht hatten. Ich war oft traurig, einsam und unglücklich und Balu war die ganze Zeit da. Und auch dieses Jahr waren die Hunde es,auf die ich mich besonders freute,als ich endlich aus dem Krankenhaus kam.Balu war ein Teil von meinem Leben.

Gestern also fuhren wir mit ihm zum Tierarzt, weil wir irgendwas am Darm vermuteten – er hatte anscheinend Probleme, Kot abzusetzen und in den letzten Tagen auch schlecht gefressen.Am Darm wurde aber nichts festgestellt;das Röntgenbild zeigte Schatten auf der Milz. Im Ultraschall dann sah man deutlich Tumorgewebe an der Milz. Der Tierarzt wollte Balu sofort nach der Sprechstunde aufschneiden und den Tumor entfernen.Wir ließen ihn also dort,sahen ihn zum letzten Mal im Untersuchungsraum,als ich der Tierarzthelferin die Leine in die Hand drücke und Balu ein allerallerletztes Mal streichelte. Zu Hause erhielten wir schnell einen Anruf. Ich ging ran und schon während der Tierarzt mir erläuterte,was los war, musste ich nach Fassung ringen. Der Tumor an der Milz war in Begriff aufzuplatzen,was nicht das Problem war,die Milz hätte einfach entfernt werden können. Schlimmer war,dass bereits die ganze Leber voller Metastasen war und die Leber selber schon total brüchig und marode.Der Tierarzt sagte mir,er könne nichts mehr tun und bat mich um die Erlaubnis, Balu einzuschläfern.Und ich musst ja sagen, obwohl natürlich alles in mir “Nein!!!!!!” schrie.

Jetzt ist das ganze einen Tag her und noch immer erscheint mir das alles so unwirklich. Jetzt steht dort im Flur nur noch ein Hundekörbchen. Und im Zwinger nur noch ein Napf. Und nur noch ein Hund kommt einem schwanzwedelnd entgegen, wenn man zur Tür reinkommt.

Balu werde ich nie vergessen. Er war der beste Balu, den es geben konnte.

Hier habe ich noch mal Balus schönste Bilder hochgeladen.

PS.: Wer nicht auf Pathos,Kitsch und Gefühle für Tiere steht hat Pech gehabt.So wie ich es geschrieben habe,war es.Und so kann man nur fühlen,wenn man ein Tier so lieb gehabt hat wie ich.

Andere Länder,andere Sitten

Veröffentlicht in Trash am 5. Dezember 2009 von Anna

Heute ist für alle Bayern,wohl auch Österreicher und Tschechen Krampustag das habe ich bisher noch nie gehört und war deswegen umso mehr überrascht,dieses Brauchtum einmal mitzuerleben. Und, man wird es kaum glauben, da ich ja die Bayern sonst nicht so besonders toll fand bisher; ich fand es echt nett. Und lustig. Und es war mal was anderes.Es hat mir also wirklich gefallen.

Wer,was dieses Brauchtum angeht, ebenso überfragt ist,wie ich, dem versuch ich kurz zu erklären,was ich heute gesehen habe. Am 5.Dezember machen sich Gangerl (so werden sie im Berchtesgadener Land genannt, heißen eigentlich Krampusse, tragen Fellkleidung und Holzmasken,dazu geflochtene Peitschen) und Strohbuttnmandl (in mehrere Strohbündel gekleidete, Masken-tragende junge Männer) zusammen mit Nikolaus und Knecht Ruprecht sowie vielen Engel auf und ziehen durch die Straßen. Gangerl und Strohbuttnmandl tragen Glocken und Peitschen bei sich, sie machen einen enormen Lärm und sollen dem Brauch nach die bösen Kinder bestrafen. Sie sind Teufel, mit schwarzen (rußigen) Händen, die mit ihren Peitschen schlagen und allen, die sie erwischen können, auch noch das Gesicht schwärzen. Die Kinder und Jugendlichen versuchen so Mutproben-mäßig, die Kramperl und Strohbuttnmandl zu reizen und vor ihnen wegzulaufen. Das war teilweise echt witzig.Auch ich bin dem oben fotografierten Kramperl beim Fotografieren ein bisschen zu nah gekommen und hab was mit der Peitsche abbekommen. Gott sei Dank muss man sich als Brillenträger nicht solche Sorgen machen, das Gesicht geschwärzt zu bekommen.

Der Umzug ging auf den Schlossplatz und hielt dort an. Es wurde ein bisschen Blasmusik gespielt, der Nikolaus kam zu Wort und die kleinen,niedlichen Engelchen sangen ein paar Weihnachtslieder, während die scheppernden Gangerl immer noch durch die Gegend liefen um Kinder zu ärgern und mit Vorliebe attraktiven,jungen Mädchen das Gesicht schwarz färbten. Also, wie gesagt, ich fand es wirklich witzig. Es war eine nette Sache, scheinbar trafen sich viele Leute, die ganz kleinen Kinder fanden es unheimlich,die größeren und die Jugendlichen hatten ihren Spaß dabei, die Kramperl zu ärgern und auch sonst waren wirklich alle vergnügt. Und es waren nicht nur ganz jung und ganz alt vergnügt, sondern wirklich alle Altersgruppen. Das fand ich nett. Und das ging nicht so vonstatten wie beim Karneval im Rheinland, sprich mit ordentlich Alkohol und alle dudeldicke, sondern alle waren relativ nüchtern, es war nicht dieses offensichtliche Gesaufe, was mir nicht so gefällt. Klar, der ein oder andere Glühwein wurde schon getrunken, aber das war nicht der eigentliche Grund dieses Ereignis.

Die Jungs,die sich in dieser schweren Kostüme stecken ließen und damit durch die Gegend liefen, waren übrigens alle von der Bundeswehr. Das finde ich irgendwie toll. Ich meine es ist doch irgendwie schön, Bundeswehrsoldaten nicht mit Krieg verbinden zu müssen sondern mit einem altertümlichen Brauch, der einem ganzen Ort Freude bringt. Und mir, wie gesagt auch.

Für alle, die es interessiert: Hier gibt es die Fotos!

Der Berg ruft!

Veröffentlicht in daily stuff am 1. Dezember 2009 von Anna

Puuh,das Ende hier ist Gott sei Dank in Sicht. Und dann will ich nicht mehr nach Bayern. Ich und Bayern,wir haben ausgespielt…!Die Landschaft kann ja nichts dafür,aber alles erinnert mich so an einen Heimatfilm,dass mir regelmäßig übel wird.Außerdem sind die Bayern die größten Fleischfresser ever.Hier gab es tatsächlich schon Specksuppe mit Wurststückchen und Schweinebraten gefüllt mit Hackfleisch.Absoluter Wahnsinn.Wenn die Bayern ihren ganzen Fleischbedarf mit Rindfleisch decken würden (was sie nicht tun,da sie unheimlich viel Schwein essen),könnte man sie vermutlich allein für die Klimaerwärmung verantwortlich machen.Dafür gibt es in Berchtesgarden nicht ein einziges Lebensmittelgeschäft,in dem man laktosefreien Käse kaufen kann. Aber gut,da ist ja auch kein Fleisch drin.Aber,sagen wir es mal so,auch wenn ich nicht begeistert bin,so sammele ich hier doch auch wieder viele Erfahrungen…

Vorletztes Wochenende beispielsweise habe ich (natürlich ganz alleine,weil hier ja keiner mit mir redet,es sei denn es geht um unverschämte und anmaßende Fragen) einen Ausflug auf den Obersalzberg gemacht.Ich dachte wenn ich schon mal hier bin,dann gucke ich als geschichtsinteressierter Mensch mir das auch an.Die Dokumentation Obersalzberg ist auch wirklich interessant und gut gemacht.Es wird dabei aber nicht nur die Geschichte des Obersalzberg gezeigt sondern halt auch die ganze Geschichte der NSDAP,des 2.Weltkriegs und des Holocausts. Das ist für so eine Ausstellung dann natürlich eine wahnsinnige Fülle an Informationen,von denen viele für mich dann auch nicht neu waren.Ich habe mir dann auch nicht mehr alles so genau durchgelesen, weil ich sonst Tage(?) gebraucht hätte und zudem war ich sowieso schon platt,weil das Thema trotz immer neuer Bearbeitung und vieler Kenntnisse ja auch nicht besonders leicht verdaulich ist.Das galt in diesem Fall besonders für einen Film,nämlich “Gewalt,Vernichtung,Tod.Szenen aus dem 2. Weltkrieg” , der in den Bunkeranlagen des Obersalzbergs gezeigt wurde. Es ist nicht so,dass ich besonders empfindlich bin oder dass das,was gezeigt wurde neu für mich gewesen wäre. Aber trotzdem waren die Bilder so grausam und eindringlich, dass ich mit Bauchschmerzen den Bunker verlassen musste. Es ist schon seltsam, aber mir geht es immer so, dass ich jedes Mal, wenn ich mich genauer mit dem Thema auseinander gesetzt habe, so eine Wut und einen Ekel empfinde,dass mir richtig schlecht wird.

Als ich danach aus der Dokumentation kam, hatte ich keine Lust auf Bus fahren, vorallem,weil mir dabei immer noch schlechter wird. Also dachte ich blöd,wie ich bin, “hach,hier,…Wanderweg…kannste ja auch direkt mal zu Fuß da runter latschen…und bergab is’ ja auch nicht anstrengend…” – super,Anna! Manchmal macht es bei mir einfach “Klick” und dann ist da oben irgendwie Feierabend.Das war jedenfalls wieder mal eine nicht so glänzende Idee von mir. Denn; das sind den Obersalzberg runter bis in die “Innenstadt” so ungefähr 11 km. Und ich muss dabei zu bedenken geben, dass ich vor 4 Monaten gerade mal so weit war, mit dem Rollator vom Bett zum Klo zu schieben und wieder zurück,will sagen mein Trainingszustand ist nicht gerade der eines Hochleistungssportlers.Aber so einfach mit dem Bus zurück fahren wäre ja auch irgendwie total unspektakulär gewesen.Und ich liebe ja das Abenteuer.Vorallem,wenn ich mich dabei noch verlaufen kann.Nein- man kann nicht einfach nur bergab laufen.Man kann da auch Fehler machen und wenn es Fehler zu machen gibt,dann bin ich dabei.Ich bin jedenfalls irgendwie auf einen falschen Weg gelangt und dann irgendwann auf einem einsamen Hof angekommen…clever wie ich bin dachte ich aber,ich müsse unbedingt diesen Weg weiter gehen und es dauerte ca. noch mal 30 Minuten bis ich mittem im Wald realisierte,dass es sich bei meinem Weg um einen Privatweg handelte,der genutzt wird um gefällte Bäume aus dem Wald zu transportieren. Herrlich.Es macht ja irrsinnig Spaß, Wege wieder zurück zu gehen.Und bergab latschen ist wirklich anstrengender,als ich dachte.Vorallem taten mir meine Knie weh und teilweise war es so steil,dass ich fast gefallen bin (jetzt verstehe ich den Sinn von Wanderstöcken).Kurz; es war der absolute Horrortrip. Wenigstens rief Nina mich zwischendurch mal an und heiterte mich ein bisschen in meinem Elend auf.Das und die ein oder andere wunderbare Bank zum Ausruhen (jaa,an was für Kleinigkeiten man sich auf einmal freuen kann) machten das Ganze dann doch erträglicher. Außerdem habe ich 3 Rehe gesehen, gute Bergluft geschnuppert und mmh…den Berg gelernt so zu lieben,wie es sich für einen guten Deutschen gehört…(höhö).

Ja, sowas erlebt man hier, wenn man ein bisschen bescheuert ist. Ich muss übrigens auch unheimlich bescheuert aussehen,denn heute erdreistete sich doch tatsächlich einer dieser abscheulichen Mitpatienten hier, mich zu fragen, ob ich den Spiegel, den ich mir gerade gekauft hatte, denn überhaupt verstehen würde. Da fehlen einem doch wirklich die Worte. Ich habe gesagt,dass ich ihn nicht verstehe und ihn mir nur kaufe um die Bilder anzusehen. Die Ironie hat der auch nicht verstanden. Schade. Aber ich frage mich nach dieser Begebenheit, ob die Dummheit mir so aus dem Gesicht springt oder was da los ist. Oder ob der Mann selber so dämlich ist, dass er den Spiegel für eine absolut komplizierte Zeitschrift hält, die wirklich kein Mensch verstehen kann.Egal, ich werde hier einfach keine Freunde mehr finden, verdammt, da hatte ich ja schon nach 3 Tagen in der Psychiatrie mehr soziale Kontakte!Gut,dass es das Internet und Skype gibt.Ansonsten wäre ich hier sozial schon total verarmt.

Servus aus dem Exil

Veröffentlicht in daily stuff am 17. November 2009 von Anna

Also ich brauche mich nicht wie Günter Wallraff schwarz anzumalen um diskriminiert zu werden und hey,wer es erleben will,der muss einfach nur nach Oberbayern fahren.Wie wir nämlich festgestellt haben,braucht man dort,um angesehen zu werden,als wäre man ein Aussätziger,nur Hochdeutsch zu sprechen und die Sache ist gebongt.Ohne Witz.Ich hätte auch wirklich nicht gedacht,dass das so schlimm ist,aber wir wurden in einem Café völlig ignoriert und in anderen unfreundlich behandelt.In ein Café kamen wir also rein und in dem relativ kleinen Raum war es sowieso schon ziemlich still (der Oberbayer spricht wohl nicht gern).Freundlich,wie wir nun einmal sind grüßten wir in den Raum mit einem unüberlegten “Guten Tag!”- DAS war ein Fehler und wir hätten es wissen müssen.Für einen kurzen Moment herrschte völlige Stille.Keine Erwiderung.Okay,dachten wir uns,die müssen ja auch nichts sagen.Dass allerdings die Kellnerin uns dann auch keines Blickes gewürdigt hat und uns nicht bediente war dann schon ein bisschen viel für uns.Und weil wir Rumsitzen im Café ohne bedient zu werden doof finden,sind wir schließlich gegangen.Tja,Servus,wie die Bayern sagen.Übrigens geschah dies in dem überaus abgewrackten Tittmoning.Dort scheinen die Mundwinkel der Menschen direkt nach der Geburt nach unten vernäht zu werden.Auf den Fotos ihrer Homepage wurde viel mit Fotoshop gearbeitet und das .eu ist wirklich ein Hohn,denn besonders weltoffen geht es da nicht zu.Wer (so wie ich) dachte,dass Dirndl und Krachlederne eigentlich nur zu bestimmten Festen getragen werden,täuscht sich.Und wer dachte,dass man als hochdeutschsprechender Mensch nicht schief angeguckt wird,ebenso (das Ganze ist uns wirklich nicht nur einmal passiert bei unserer Reise durch das riesige Bayern,…die Franken waren vielleicht noch freundlicher,…aber na ja…um eine Lanze zu brechen für die Oberbayern,auch dort gibt es Ausnahmen…).

So viel zu meiner Liebe zu den bayrischen Landsleuten.Jetzt hier in der Klinik ist dann noch das Problem hinzu gekommen,dass ich einfach diese Sprache nicht verstehe.Heute beim Abendessen durfte ich (endlich) mal mit mehreren Menschen an einem Tisch sitzen,nach dem ich die Male zuvor immer wie eine Aussätzige an einem Einzeltischchen saß.Aber ob ich da nun mit am Tisch sitze oder PENG, ich verstehe kein Wort.Es würde keinen Unterschied machen,wenn ich neben einem Haufen Chinesen sitzen würde.Hach…ich lobe mir die Nordlichter.Die reden zwar nicht so viel,aber wenn sie was sagen,dann verstehe ich sie wenigstens.

So ist das mit Kommunikation und allem also nicht sonderlich weit her.Es erweist sich auch als schwierig,weil meine Mitpatienten zum größten Teil so Mitte 50 und älter sind und da ich ja bekanntermaßen immer noch gefragt werde,ob ich die Schülerermäßigung haben will,denken die,die vielleicht “nur” so 10 Jahre älter sind als ich,dass ich 14 bin oder so.Ach, na ja,problematisch ist auch,dass ich hier die Luxusversion des Reha-Aufenthalts genießen darf,weil ich ja privat versichert bin.Und diese privilegierten Menschen werden von dem übrigen Pöbel ziemlich separiert.Man hat also als VIP einen eigenen Speisesaal und da kommt man nur mit so einem komischen Laserding rein.Und die Zimmer sind auch von den anderen durch eine dicke,getönte Milchglaswand und verriegelte Türen getrennt. Böse Zungen behaupten,in unserem Gesundheits-System gäbe es eine Zweiklassengesellschaft…pfui,wer sagt nur sowas?Ist mir ja auch egal…Hauptsache ist ja,ich habe meinen Flachbild-Fernseher und WLan und überhaupt,mir wird der Arsch gepudert!Soziale Gleichheit wird ja generell auch eher überbewertet.Und wer hat, der kann! Aber da ich nun mal von dem ganzen minderwertigen Gesindel schön getrennt gehalten werde, verringert sich die Chance auf soziale Kontakte noch mehr.Vielleicht auch besser so,denn ich will mich ja auch nicht unter Niveau amüsieren.

So.Das also war mein erster Bericht aus dem Ausland.Wer mich aus meiner sozialen Einsamkeit mit ein paar Worten (auf HOCHDEUTSCH) erheitern will,der ist herzlichst Willkommen.Meine hiesige Adresse lautet:

Klinikum Berchtesgadener Land
Anna-Kristin Panhoff
Station 6, Zimmer 414
Malterhöh 1
83471 Schönau am Königssee

Ich nehme auch alles andere,also Mails,SMS,Pakete,Postkarten,…wie auch immer.Bin da flexibel.Ach ja,…dass Schnönau am Königssee liegt ist übrigens ein absoluter Euphemismus!Der Königssee ist hier in der Nähe.So viel dazu…

Betroffen

Veröffentlicht in Seelenmüll am 12. November 2009 von Anna

Robert Enke also hat sich umgebracht.Ich finde es traurig und doch weiß ich genau wie viele mir sagen werden; na und,trauerst du denn um jeden,den du gar nicht kennst?Ist denn nicht jeder Tod tragisch oder traurig und ist nicht jemand,der freiwillig den Tod gewählt hat feige?Ist es nicht zu einfach?Und hat er etwa nicht bedacht,wie viele Menschen er traumatisiert zurück lässt?

Jeder hat zu diesem sensiblen Thema eine eigene Meinung.Doch nur die wenigsten Erfahrungswerte.Darum erbitte ich mir Vorsicht mit Worten,die so einen Menschen als feige oder egoistisch beschreiben,als unfair oder gar unbedacht.Das alles ist er,der Mensch,der so etwas tun kann, mit Nichten.

Was mich neben den vorschnellen Urteilen auch verwundert ist die gegensätzliche Position:Denn plötzlich und auf einmal blickt alle Welt mit Tränen in den Augen auf und sagt:”Achwas!!!Depressionen sind ja eine schlimme Krankheit!”-ein Tabuthema in unserer Gesellschaft gerät in den Focus und für einen,der nun mal leider über Erfahrungswerte verfügt,ist es erstaunlich,was die Medien auf einmal alles so zu Tage bringen.Nicht nur erstaunlich,sondern auch irgendwie bitter.Es benötigt also erst eines prominenten Toten,bis klar wird,dass es hier nicht um fehlendes “zusammen reißen”, um liebgewonnende Melancholie,um Sentimentalität,Charakterschwäche oder Faulheit geht.Wie oft habe ich mich unverstanden gefühlt?Wie oft wurde meine Krankheit nur als Bagatelle abgetan?Und wie oft habe ich mich ihrer geschämt und schuldig gefühlt???Tausende Male.Und Tausend anderen ist es genau so gegangen.Nun macht einmal jemand Bekanntes aus seinen grausamen Phantasien Realität – plötzlich heuchelt die Welt Verständnis.

Ich kenn mich nicht mehr aus.Ich bin nur erschrocken über meine eigene Reaktion darauf und mein immer noch vorherrschendes Gefühl des Verständnis für diese Tat, zudem das Vorhandensein eines leisen Wunschs, der sich nicht betäuben lässt.