Ein kurzes Guten Tag aus dem Rechenzentrum der Universität Bielefeld.In meiner Wohnung habe ich nach wie vor kein Internet,was meine Lebensqualität beachtlich einschränkt.Aber immerhin komme ich hier, im HRZ (Hochschulrechenzentrum,jahaa, hier hat alles eine tolle Abkürzung!) für umme ins Netz und kann doch noch am virtuellen Leben teilhaben.Die ersten Tage waren eigentlich ganz okay.Nicht,dass es es gerade Begeisterungsstürme in mir ausgelöst hat,zum 129923 mal in meinem Studentenleben zu erfahren, was der Asta macht oder die Fachschaft.Aber trotz aller überflüssigen und redundanten Erläuterungen auch bezüglich der Erstellung eines Stundenplans und der Eintragung belegter Veranstaltungen im ekvv (Achtung! Wieder eine Abkürzung! elektronisches kommentieretes Vorlesungsverzeichnis!) hatte ich doch meinen Spaß.Besonders, weil sich mal wieder bewiesen hat: der Spruch „es gibt keine dummen Fragen“ stimmt einfach nicht.Es gibt sowas von vielen, verdammt dummen Fragen dass man damit ein Buch füllen könnte so dick wie das alte Testament – und das nur zum Thema: wie erstelle ich meinen Stundenplan bzw. wieviele LP (Abkürzung
Leistungspunkte…) brauche ich….?!Vielleicht sollte ich es mal in Angriff nehmen, dieses Buch zu schreiben.Allerdings bringt das auch wieder nichts,denn die Leute,die vornehmlich diese dummen Fragen stellen,die LESEN ja auch aus Prinzip anscheinend niiiie,denn sonst hätten sie sich die Fragen auch sparen können…denn eigentlich wird einem das schon auf den Seiten der Uni im Netz erklärt oder es gibt tausende von Broschüren und Zetteln,so dass das eigentlich jeder verstehen kann.Aber selber Lesen ist natürlich schon aufwendig.Lieber bei einer Veranstaltung mit 200 Studierenden alles nachfragen und auf seine persönlichen Belange beharren.Da kommt Freude auf.
Ansonsten gefällt es mir hier eigentlich ausnehmlich gut.Die äußerlich hässlichste Uni der Welt ist mit Sicherheit auch die Zweckmäßigste und alles ist mehr oder weniger logisch aufgebaut,so dass man sich ganz gut zurecht finden kann,vorallem wenn man in den ersten Tagen eine liebe Lara an der Hand hat,die einem alles zeigt.Prinzipiell scheinen die Leute hier alle kein Empfinden für warm und kalt zu haben,denn trotz der 18 Grad,die es nachmittags teilweise waren,laufen alle schon in ihren Wintermäntelchen und mit Schals rum.Außerdem wird in der Uni schon geheizt,so dass man sich eigentlich eher wie in der Sauna vorkommt.Noch konnte ich mich aber zusammenreißen,was das ablegen der Kleider anbelangt.
Kontaktmäßig bin ich gerade nicht so der Gewinner.Irgendwie habe ich noch nicht wirklich wen kennengelernt,mit dem ich mich jetzt gerne länger beschäftigen würde.Aber gut,vielleicht muss ich einfach nur Geduld haben.Immerhin bin ich auf der Straße schon angesprochen worden,allerdings auf den tollen Kontakt nicht eingegangen,es liegt also an mir?Na ja gut,aber mal ehrlich,die Tante war mehr als merkwürdig.Steht neben mir an der Ampel,guckt mich an und sagt:“Hallo!“…,ich,etwas irritiert,blicke mich um,ob sie wirklich mich meint und sage dann auch mal „Hallo.“. Sie:“Und,wie geht es dir so?Mir geht es total schlecht.“ Ich,als freundlicher Mensch,immer noch leicht irritiert (verwechselt die mich mit irgendwem???) „Äh,das tut mir leid.“ Sie scheint da irgendwie gewittert zu haben, dass ich nach dieser Mitleidsbekundung Interesse an einer dicken Freundschaft mit ihr habe.Um das ganze auf die Spitze zu treiben fängt sie an zu weinen.“Mein Freund hat mit mir Schluss gemacht,buhuuuuu….“.Ich, immer verwirrter bete inzwischen,dass die Ampel endlich umspringt…“Äh.Ach so.“ Aber sie lässt sich auch von meiner nun nicht gerade interessiert wirkenden oder einfühlsamen Antwort nicht abbringen und fragt mich:“Du,sag mal,wollen wir nicht einen Kaffee trinken gehen und uns darüber ausquatschen.“ – Ähm,vielleicht hat ihr Therapeut ihr geraten,auf andere Menschen zuzugehen oder so,aber ich glaube SO funktioniert das auch nicht.Gott sei Dank springt in dem Moment die Ampel ENDLICH auf grün…“Ich habs leider ganz eilig…“ – und weg bin ich. Einen kurzen Moment denke ich, wie herzlos ich doch bin, die arme Frau, so traurig und allein. Ein grausames Szenario baut sich in meinem Kopf auf; morgen höre ich auf Radio Bielefeld, dass eine Frau sich aus Liebeskummer erhängt hat oder so.Okay, ich sollte solche Gedanken schnell beiseite schieben, weil ich nicht für das Glück und Unglück widfremder Menschen verantwortlich sein kann. Ich sollte mich um mein eigenes kümmern, also Glück, nicht Unglück. Und bevor ich so verzweifelt einsam bin, dass ich wildfremde Menschen auf der Straße anquatschen und ihnen von meinen Sorgen erzähle, kann mich ja einer von euch anrufen oder in Bielefeld besuchen…
Ansonsten geht das Leben so vor sich hin.Die Volksverdummung wird jeden Tag augenscheinlicher.Gestern abend habe ich aus Versehen bei Johannes B. Kerners schrecklicher Talkshow reingeschaltet,in der meine beiden Lieblingsvolksverdummer Dieter Bohlen und Mario Barth eine Diskussion auf höchstem Niveau führten.Um es in den Worten von Mario Barth zu sagen: Scheiß die Wand an, war ich fertig!