Archiv für Juni, 2008

Wanderhuren wandert nach Hause

Veröffentlicht in Literarisch am 22. Juni 2008 von Anna

Hier bin ich, mal wieder. Ein Traum. Heute ist es schwül und ekelig und ich finde alles gerade doof. Aber ansonsten. Super. Gestern war ich in Hamburg. Wenigstens mal eine gelungene Abwechslung in dem ganzen Klinik-Trott, auch wenn ich gestehen muss, dass die Stadt einfach zu groß für Landeier wie mich ist. Ich bin ja sowieso immer schon völlig reizüberflutet und der ganze Verkehr geht mir tierisch auf den Sender, aber gestern war dann leider auch noch ein Harley-Davidson-Treffen in der Innenstadt, was extrem schön war. Nicht nur, weil ich mich ja extrem für Motorräder interessiere, sondern auch noch, weil sie ja so wundervolle Geräusche machen. Musik in meinen Ohren!

Heute hab ich den Großteil des Tages mit Lesen verbracht. Allerdings habe ich jetzt endgültig aufgegeben, „Die Tore der Welt“ zu lesen. Ich hab mich ja eigentlich total gefreut, die Fortsetzung von „Die Säulen der Erde“ zu lesen. Und auch die anderen Bücher von Ken Follet fand ich jetzt gar nicht sooo schlecht – sicher nichts mega anspruchsvolles, aber doch unterhaltsam. Aber alles hat seine Grenzen. Ich bin echt fertig mit dem Typen. Das Buch entpuppt sich nämlich einfach mal wieder als ein Mittelalter-Porno. Also auch nicht besser als „Die Wanderhure“, „Die Hebamme“, „Die Goldhändlerin“ „Die Schwester der Wanderhure“, „Die Schwägerin der Schwester der Wanderhure“ und alle anderen Mittelalter-Schmöker, die den Markt überschwemmen und mir inzwischen tierisch auf den Sender gehen. „Die Tore der Welt“ ist wieder einmal mehr ein unrealistisches Buch, das sich historisch schimpft. Die Protagonistin hat für eine Frau im Mittelalter so erstaunlich viele Rechte und revolutionäre Gedanken, dass sie vermutlich noch im 20. Jahrhundert dafür schräg angeschaut worden wäre. Sie lebt auch unverheiratet ne lockere Beziehung mit ihrem Angebeteten. Dann wird sie irgendwann Nonne, aber zwischendurch geht sie immer mal wieder mit dem Kerl ins Bett und, natürlich, um auch alle Gelüste des Lesers zu befriedigen, mit einer anderen Nonne. Nicht genug, ein paar ordentliche Vergewaltigungen kommen natürlich auch mal wieder vor und da wird dann fröhlich beschrieben, dass die Frau dabei noch in gewisser Weise Lust empfindet. Als ich den Scheiß gelesen hab, hatte ich dann echt keinen Bock mehr auf das Buch. Also, das ist eins der sehr wenigen Bücher, das ich weggelegt habe, ohne es zu Ende gelesen zu haben. Das will schon was heißen, sonst hab ich ja quasi fast den Zwang, jedes Buch, und sei es noch so beknackt, auszulesen. Und jetzt habe ich echt die Schnauze voll von Mittelalter-Büchern! Oder ich schreibe selbst eins. Vielleicht „Die Hundezüchterin der Wanderhure“. Oder aber auch „Die Nail-Designerin der Wanderhure“. Man wird sehen, am Wochenende habe ich ja eigentlich immer ein bisschen Zeit und meine historischen Kenntnisse scheinen mir denen von Ken Follet fast noch überlegen.

Yvonne hilft dir sprachlich auf die Sprünge!

Veröffentlicht in Trash am 1. Juni 2008 von Anna

Boar! Gestern habe ich im Fernsehen eine Werbung gesehen, die hat mich umgehauen. Und zwar eine Werbung, die die Yvonne Catterfeld macht. Das ist ja an sich schon mal Verbrechen genug, denn wenn ich versuchen würde, irgendeine Ware an den Mann zu bringen, wäre Yvonne Catterfeld die Letzte, die ich dafür wählen würde, weil wenn man die sieht, kommen einem doch immer ganz schreckliche Assoziationen mit der Musik, die sie macht oder mit „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder mit Wayne Carpendale oder mit einer schrecklichen TV-Soap auf ARD wo sie als Prinzessin oder sowas rumlief… und all dies verursacht doch schon mal ein ungutes Gefühl in einem, na ja, in mir jedenfalls und ich glaube hier spreche ich mal repräsentativ für viele. Aber nun kommt der Witz des Ganzen.

Es geht hierbei nämlich um die Werbung für ein Spiel für Nintendo Wii und zwar um ein Spiel, um seinen Wortschatz zu verbessern. Hier nun meine Frage; haben sie sich die Yvonne jetzt ausgesucht, weil sie dachten, dass die so einen super Wortschatz hat und so wundervolle Dinge mit der deutschen Sprache anstellt, oder weil sie dachten, dass sie dieses Spiel nötig hat? Bei letzterem würde ich ja zustimmen. Ich persönlich finde ihre sprachliche Leistung nämlich eigentlich eher suboptimal, die Dialoge bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ sind ja nun auch nicht gerade das, was man als hochtrabend bezeichnet. Zudem singt die Gute Lieder, die Dieter Bohlen geschrieben hat und in denen es heißt:

„und ich
werd immer bei dir sein,
ich halt dich
wie den Regenbogen
ganz fest am Horizont
weil mit dir
der Morgen wieder kommt.“

Ein Traum!Ein poetischer Hochgenuss und hach, diese ausgefallene Wortwahl. Will sagen, richtig ausgefeilt. Yvonne kümmert sich also um mein Ausdrucksvermögen…na super!

Nein, also nach Betrachtung all dieser Tatsachen kann es nicht sein, dass die von Nintendo dachten, die Yvonne ist so ein Wort-Ass, die muss dafür Werbung machen. Viel eher muss es so sein, dass die wirklich dachten, „die arme Yvonne, die sollte mal was tun mit ihrer Sprache…“ – und vielleicht wollen sie einfach beweisen, das selbst den schwersten Fällen geholfen werden kann. Ich hoffe, dass es das Spiel auch auf Englisch gibt. Dann können sie dafür mit Dieter Bohlen werben. Der hat ja, wenn man sich mal so seine ganzen guten Songs anhört auch nicht soo den großen Wortschatz im Englischen. Vielleicht lernt der dann zu den ca. 50 Wörtern die er immer benutzt um diese furchtbaren Lieder für Mark Medlock zu schreiben noch ein paar dazu und bringt wenigstens damit ein wenig Abwechselung rein, wenn schon die Melodien immer nur eine Aneinandereihung der gleichen Akkorde sind.